Auszüge
aus dem
Brief an den Kreiskirchenrat
Wedding
Berlin,
1.09.1989
(...)
Seite 4-6
"Als
formale Voraussetzung zur Gründung einer Stiftung ist es
notwendig, daß als Stiftungsmasse eine Geldsumme von
mindestens 100.000 DM zur Verfügung steht.
Mit diesem Geld (um das ich mich
bemühen werde)
könnte es gelingen, zunächst die Stiftung zu
gründen. Gleichzeitig könnte die "Gattel-Stiftung"
selbst den Anspruch erheben, das Grundstück Prinzenallee 58
als Stiftungsmasse vom Land Berlin zu übernehmen.
Der Stiftungszweck sollte wie
folgt formuliert werden.
Im Sinne des
§10 Abs. l EStG. ist der Zweck der Stiftung (12) "die
Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen
Gebieten der Kultur und des
Völkerverständigungsgedankens".
Insbesondere sollte die Stiftung
die Durchführung von
kulturellen Veranstaltungen in Form von Veranstaltungsreihen
fördern, die alle Aspekte umfassen können, die dazu
geeignet erscheinen, anderen die eigene Kultur (Heimat, Politik,
Wissenschaft, Kunst, Geschichte usw.) zu vermitteln. Die Verteilung der
Kompetenzen sollte so angelegt sein, daß der jeweiligen
Kulturgruppe möglichst viel Handlungsspielraum zur
Verfügung steht, ihre künstlerischen Ideen
durchzuführen.
Die Aufgabe des Kuratoriums
wäre es
die Geschäftsführung des Vorstandes zu
überwachen.
Es hat die Verwaltungsrechnung des Vorstandes zu
prüfen und über dessen Entlastung
alljährlich zu berichten. Das Kuratorium bestellt den
Vorstand.
Ein Kuratoriumsmitglied kann nicht gleichzeitig
Vorstandsmitglied sein.
Da ich eine möglichst,
vielfältige Darstellung der
einzelnen Länder in Form von Veranstaltungsreihen für
wünschenswert halte, sollte das Kuratorium meiner Meinung nach
mit Vertretern oder Einzelpersonen verschiedenster Organisationen
besetzt werden.
In diesem Zusammenhang gedenke
ich anzusprechen; Caritas,
Arbeitsgemeinschaft Solidarische Welt e. V. , Cultur Cooperation e. V.
, Stiftung Umverteilen, H D K, B A Z, ,Paritätischer
Wohlfahrtsverband, Verband für sozialkulturelle Arbeit, u.a.m.
Ich teile mit der Kreissynode
Wedding die Besorgnis über die
gerade im Wedding wieder auflebende Ausländerfeindlichkeit und
nationalsozialistische Bestrebungen und möchte mich wie Sie
dafür einsetzen, "daß
eine fremdenfreundliche
Haltung ein wichtiger Teil unserer eigenen Identität werden
soll."
Meiner Meinung neigen wir
Deutschen, in der Unsicherheit im Umgang mit
unserer Geschichte jedoch häufig dazu, unseren Mangel an
Identität dadurch auszugleichen, daß wir die
"Schuld" an unserer "Vergangenheit" auf andere abschieben.
Ist es wirklich ernsthafte
Besorgnis um unsere Demokratie, oder echte
Empörung über menschenverachtende Parolen, oder
"brauchen" wir diese radikalen Minderheiten geradezu um uns selbst,
durch die Distanzierung (Denunziation) von ihnen, wieder als "gute"
Deutsche sehen zu können.
Ist es nicht
entwürdigend für die Opfer und ihre
Angehörigen und beschämend für uns,
daß wir unsere "Bestürzung" und unsere "Anteilnahme"
immer nur dann zum Ausdruck bringen, wenn uns durch die Schandtaten
vereinzelter Irrläufer der "passende" Anlaß dazu
geboten wird.
Ich hoffe, daß die
"Gattel-Stiftung" für
möglichst viele Menschen auch und gerade alltägliche
Anlässe bieten wird, sich an die Opfer der NS-Verbrechen zu
erinnern und somit deren Andenken zu bewahren.
Ebenfalls hoffe ich,
daß sie einen aktiven Beitrag dazu
leisten kann, kulturelle Barrieren abzubauen, indem sie
möglichst vielen Menschen dabei hilft, zu einem toleranteren
und verständnisvolleren Umgang miteinander zu finden."
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