*
Direkt zur Inhaltstabelle, alle Navigationslinks überspringen
Bild von Löwenkopf
../images/standuhr.jpg

2001 - 
    Heute

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001


1951 -
  2000

1901 -
  1950

1850 -
  1900

*
    nach - oben
../images/standuhrleiste.jpg
Im-laufe-de-Zeit-Seitenüberblick
zur Hauptseite zur Hauptseite zur Hauptseite zur Hauptseite zur Hauptseite zur Hauptseite
«  home Aktuelles Bei Gattels VNP/pa58 Perspektiven Mitte
../Bei Gattels/ 
020_gattel

zuletzt aktualisiert  
am: 12.01.2008  

*

Bei Gattels

''Üblicherweise tragen Bürgerstiftungen die Bezeichnung "Bürgerstiftung" auch in ihrem Namen und unterscheiden sich dadurch erkennbar von anderen Stiftungen, welche zumeist Familiennamen tragen. Die "Gattel-Stiftung" weicht aus einem besonderen Grund von diesem Schema ab.

    In der Zeit, als sich in Deutschland das "Bürgertum" auflöste, (bzw. auflösen ließ), um in einer einzigen "Volksgemeinschaft" aufzugehen, forcierte die verbrecherische Staatsführung diesen "Gemeinschaftsbildungs-Prozess" dadurch, dass sie Minderheiten als "artfremd" etikettierte, um sie zunächst aus der neuen "Volksgemeinschaft" auszugrenzen, ihnen im weiteren Verlauf, wie und wo immer dies nur möglich war, ihre menschliche Würde zu nehmen, um sie zuletzt in skrupellos-barbarischer Weise, unter Einsatz industrieller Mittel zu ermorden.

Die "Gattel-Stiftung", - als "Bürger-Stiftung", möchte mit dieser Namensgebung anregen, sich der Opfer so zu "erinnern", wie sie sich wohl selbst gesehen haben mögen, bevor sie zu Opfern herabgewürdigt wurden, - um sie so, - als "Bürger" zu rehabilitieren.

"Den Namen Gattel hörte ich zum ersten Mal 1981 von Herrn Lux, dem damaligen Küster der Stephanus Gemeinde [Berlin-Wedding].

Er berichtete, dass die früheren Eigentümer der Prinzenallee 58, die jüdischen Hutfabrikanten Gebrüder Gattel, ein hohes soziales Ansehen in der Umgebung genossen und das Grundstück Prinzenallee 58 von den älteren Menschen auch heute noch [1981] "Bei  Gattels" genannt würde."


aus dem Brief an den Kreiskirchenrat Berlin-Wedding vom 1.09.1989

Zunächst war ich positiv überrascht darüber, dass der Namen "Gattel" im alltäglichen Sprachgebrauch nach so langer Zeit noch präsent war. Die Tatsache jedoch, dass mein Gesprächspartner das weitere Schicksal der Familie Gattel betreffend, nicht über die geringste Information verfügte, befremdete mich sehr und hinterließ ein beklemmendes Gefühl.

Vielleicht bestärkt durch den Satz aus dem Talmud, dass nur der, der vergessen ist, wirklich tot sei, entstand im Laufe der Zeit die Idee zur Initiierung einer Stiftung, die den Namen der Familie Gattel tragen sollte und die mit dem früheren Eigentum (Grundstück) dieser Familie als Stiftungsvermögen ausgestatten werden sollte. Um die Nachfahren darum um Erlaubnis zu bitten, wandte ich mich mit einer schriftlichen Anfrage im Frühjahr 1988 an die Jüdische Gemeinde. - Leider ohne Erfolg, da über die Familie Gattel auch dort keine Informationen vorlagen.

Kaum sechs Wochen später kam es zu einer ebenso überraschenden, wie freudigen Begegnung mit Frau Anni Wolff,  Tochter von Ella und Richard Gattel, heute wohnhaft in Israel.

In einem Brief vom 01. Juni 1988 an den damaligen
Bezirksbürgermeister Jörg-Otto Spiller
schildert Frau Wolff ihre Eindrücke wie folgt:

"Am 20. Mai (1988) war mein Sohn, der bereits in Israel vor 50 Jahren geboren wurde, vom Senat eingeladen, denn er wollte seine Wurzeln kennen lernen.

Ich begleitete ihn. Wir besuchten gemeinsam die Prinzenallee 58 und sprachen mit einigen der jungen Menschen, die Wohnungen in den ehemaligen Fabrikräumen bewohnen.

Als ich sagte, daß ich dort einmal gewohnt habe, sprachen sie mich gleich auf meinen Mädchennamen an, was mich sehr berührte und erstaunte.(...)

Die jungen Leute erzählen mir, daß sie eine Stiftung auf den Namen "Gebr. Gattel" ins Leben rufen möchten, womit meine in Israel lebende Schwester Lotte Gabbe und ich uns einverstanden erklärt haben.

Es wäre uns eine große Freude und Genugtuung - nach allem, was über uns hereingebrochen ist, - wenn der Name meiner Familie nicht ganz vergessen würde."

<< Um nach oben zu gelangen
<< klicken Sie an beliebiger
<< Stelle in den linken
<< dunklen Rand

Hinter den nun beinahe schon 20 Jahre dauernden, Bemühungen zur Gründung der "Gattel-Stiftung" könnten außen stehende Beobachter leicht nichts weiter als eine "notorische" Sisyphusarbeit vermuten. (siehe dazu: Erinnerung; von Theodor W. Adorno)

Einerseits konnten zwar, unter Verweis auf diese Stiftungsidee, zahlreiche Anlässe geschaffen werden, auch ohne deren förmlichen Existenz, an die Geschichte der Familie Gattel zu erinnern, doch würde auf Dauer nichts weiter als der fade Beigeschmack der "Ungnade der späten Ablehnung" zurück bleiben, wenn es nicht zuletzt doch noch gelänge, die "Gattel-Stiftung" einzurichten.


Die Feier zur Stiftungsgründung fand am
1. Oktober 2003, im Cafe Esscapade,
im Hofgebäude der Prinzenallee 58,
dem Standort der ehemaligen
Gebr. Gattel-Hutfabrik statt.
Anni Wolff, die Tochter des
Berliner Hut-Fabrikanten Richard Gattel,
nahm als Erststifterin an der Gründungs-veranstaltung der Gattel-Stiftung i.G. teil.

Das bisher erbrachte Stiftungskapital von 2.800€ reicht für den formalen Eintrag als Stiftung noch nicht aus.
*